Stahlblauer Himmel, goldig leuchtende Lärchen und das tiefe Röhren der Hirsche – das Val Trupchun entfaltet anfangs Oktober seine volle Pracht und bietet somit pünktlich für die Herbstferien eine prächtige Kulisse für eine schöne Herbstwanderung.
Die Rundwanderung durchs Val Trupchun, das zum Gebiet des Schweizerischen Nationalparks gehört, befindet sich schon länger auf meiner Wander-Bucket-List. Letztes Jahr verpassten wir aufgrund unseres Indian Summer Road Trips durch Nova Scotia den besten Zeitpunkt für Herbstwanderungen im Engadin. Dieses Jahr war unser Timing besser auf das Herbstspektakel in der Schweiz abgestimmt und so konnten wir diese Tour in Kombination mit einem Wochenende im Castell Zuoz endlich in Angriff nehmen.
Volle Herbstpracht im Engadin
Im letzten Jahr waren wir zum Höhepunkt der Hirschbrunft im September im Val Cluozza unterwegs und ärgerten uns, dass wir kein Tele-Zoom-Objektiv dabeihatten. Als mich der Freund kurz vor dem diesjährigen Ausflug ins Engadin fragt, ob jetzt der Zeitpunkt für eine entsprechende Anschaffung ist, winke ich ab. «Mitte Oktober ist die Hirschbrunft vorbei», meine ich altklug und stütze meine Aussage dabei auf die Informationen diverser Websites ab, welche die Hirschbrunft auf den Zeitraum von Mitte September bis zum 5. Oktober eingrenzen. Doch wieso sollten sich die Hirsche an solche Vorgaben halten? Denen war es im September nämlich schlicht noch zu heiss, um sich bei Paarungsgebahren zu verausgaben. Und somit wandern wir einmal mehr ohne entsprechende Fotoausrüstung mitten ins Eldorado eines jeden Tierfotografen hinein. Immerhin wird die Herbstkulisse meinen Erwartungen gerecht. Die Hänge des Val Trupchun leuchten zauberhaft golden.
Irene Müller, Gastgeberin im Castell Zuoz, hat uns empfohlen, die Rundwanderung gegen den Uhrzeigersinn abzulaufen und zuerst dem Höhenweg Richtung Alp Trupchun zu folgen. Und so halten wir uns Rechts und wandern auf einem sanft ansteigenden Waldpfad durch einen alpinen Mischwald bergwärts. Von Zeit zu Zeit kreuzt ein flinkes Eichhörnchen unseren Weg. Das Castell Zuoz hat uns für diese Tour einen Feldstecher ausgeliehen, womit wir an den Steilhängen auf der gegenüberliegenden Talseite nach Gämsen und Steinböcken Ausschau halten.
Nach knapp zwei Stunden erreichen wir das Hochtal, auf dem sich die Alp Trupchun befindet. Auf den beiden markierten Rastplätzen tummeln sich schon zahlreiche Wanderer und Tierbeobachter – manch einer hat vor sich ein Fernrohr und sucht das Dickicht ab. Doch rund um den Mittag lässt sich kein Rothirsch blicken. Hierfür muss man noch etwas länger auf der Lauer liegen. Dafür zeigen sich am Himmel zwei Bartgeier.
Wir suchen uns ein schönes Plätzchen und beobachten eine Weile das Treiben. Ohne Tele-Zoom entscheiden wir uns jedoch gegen das Ausharren und folgen nach einer kurzen Pause dem Wanderweg talwärts. Auf dieser Seite verläuft der Rundweg nahe am rauschenden «Ova da Varusch» und bietet nochmals eine ganz andere Perspektive auf die Tallandschaft als der Höhenweg auf der linken Talseite.
Gut eine Stunde später erreichen wir die Parkhütte Varusch. Die Sonnenterrasse ist bereits gut besetzt. Wir finden jedoch noch ein ruhiges Plätzchen und bestellen ein «Varusch Plättli» mit Bündnerfleisch, Rohschinken, Speck, Wildtrockenfleisch, Salsiz und Engadiner Bergkäse; ich würde meinen, genauso endet ein rundum perfekter Herbstausflug!
Praktische Tipps für deine Wanderung im Val Trupchun
Der Routenverlauf der Val Trupchun Rundwanderung kann nachfolgender Karte entnommen werden. Die Distanz vom Parkplatz Prasüras bis zur Alp Trupchun und retour beträgt 13,8 Kilometer. Bis zur Alp Trupchun führt der Wanderweg mehrheitlich bergwärts – es sind 635 Höhenmeter zu überwinden. Die reine Wanderzeit beträgt vier Stunden. Rund die Hälfte der Rundwanderung verläuft im Bereich des Schweizerischen Nationalparks. In diesem Abschnitt solltet ihr die Wege nur dort verlassen, wo es explizit markiert ist (bei den Picknickplätzen unweit der Alp Trupchun). Gäste vom Castell Zuoz werden kostenlos vom Hotel zum Parkplatz Prasüras chauffiert und auch wieder dort abgeholt (ein super Service).
Wer mit den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist und die Wanderung beim Bahnhof S-chanf startet, muss pro Richtung zwei zusätzliche Wegkilometer dazurechnen. Alternativ bedient der «Express Parc Naziunel» zwischen Juni und Oktober die Strecke Zuoz – S-chanf – Parkhütte Varusch. Den Fahrplan und die Ticketkosten findet ihr auf dieser Seite (das Ticket Parkhütte Varusch bis Zuoz kostet 10 CHF): alpintrans.ch
Extratipp: Das Val Trupchun ist für seine artenreiche Flora und Fauna bekannt. Jeden Donnerstag – und während der Zeit der Hirschbrunft zusätzlich am Freitag – bietet der Schweizerische Nationalpark geführte Tageswanderungen ins Val Trupchun an, die sich der Tier- und Pflanzenwelt widmen: Val Trupchun – Wildarena der Alpen
Weitere schöne Herbstwanderungen im Engadin
Weitere schöne Herbstwanderungen im Engadin sind die Zweitagestour durchs wilde Val Cluozza mit einer Übernachtung in der Chamanna Cluozza, die ansprunchsvolle Tageswanderung zu den Lais da Macun, oder die Wanderung entlang der vierten Etappe des Jakobswegs Graubünden von Ftan nach Guarda.
Hinweis: Das Castell Zuoz hat unseren Aufenthalt im Engadin unterstützt – alle Meinungen und Eindrücke sind wie immer die unseren.
Herrlich diese Farben!
Ich liebe die Wanderung ins Val Trupchun auch sehr. Ich habe sie nun bereits mehrmals gemacht und jedesmal Hirsche, Gemsen und Steinböcke gesehen. Einmal flog gar der Bartgeier über die Alpwiese.
Grüessli, Daniela
Hoi Daniela – ja hier sieht man mit etwas Glück richtig viele Tiere :)
Hallo Anita, ich war am 5. Oktober auch im Val Trupchun und bereits vorher bei jedem Aufenthalt im Engadin jeweils auch. Da wir die Tiere auch immer beobachten, ist es optimal früh aufzustehen und spätestens um 7 Uhr abzulaufen. Da siehst Du dann auch Gemsen, Steinböcken, Hirsche und Bartgeier.
Der Bericht ist natürlich wie immer Super geschrieben!!! Grüessli Markus
Hoi Markus danke für deinen Kommentar – du hast natürlich recht, um Tiere zu beobachten sind die frühen Morgenstunden sowie die Dämmerung am besten :)
Hoi Anita, vielen Dank für den wirklich gelungenen Beitrag und die schönen Bilder. Das Engadin ist eine fantastische Umgebung für Naturfreunde, kann man nur empfehlen. Grüsse aus Zernez.